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Mein schönstes Kinoerlebnis

Es gibt Tage und Momente in denen man kurz innehalten und Danke sagen muß. Einer dieser Momente war der Besuch des Cinestar „Kinopalastes“ hier in Saarbrücken.

Es folgt ein Dankesschreiben das wir aufgrund des großartigen Kinoabends verfaßt haben, viel Spaß dabei!


<Zitat>
Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Freunde und ich hatten letzte Woche das Vergnügen ein – wie Sie es bewerben – Kinoerlebnis in Ihrem Saarbrücker „Filmpalast“ zu haben. Dieses Erlebnis hat uns veranlaßt, Ihnen dieses Dankesschreiben zukommen zu lassen. Damit Sie einen Eindruck unserer tiefempfundenen Dankbarkeit bekommen, erlaube ich mir Ihnen das Erlebnis etwas ausführlicher zu schildern:

Wir wollten „X-Men 2“ in einem großen Kino mit entsprechender Leinwand und Soundsystem am Premierentag genießen. Deshalb bestellten wir frühzeitig Karten für die 20:15 Uhr Vorstellung. Da drei (von sechs) Leute aufgrund schlechter Verkehrsverbindungen etwas später kamen, mußten alle Karten auf einmal abgeholt werden. Wir sind alle Studenten und wollten dementsprechend den angebotenen Studententarif in Anspruch nehmen. Meine Begleiter freuten sich spontan über das familiäre „Du“, das Ihre Angestellten in überaus freundlicher Betonung benutzten, um nach dem Personalausweis zu fragen. Das Wohlbefinden steigerte sich noch weiter, als meinen Freunden im gleichen höflichen Tonfall eröffnet wurde, daß es keine Möglichkeit gäbe, die Nachzüglern ebenfalls in den Genuß des Studententarifs kommen zu lassen. Die Karten könnten nicht zu diesem Preis verkauft werden, ohne Studenten- und Personalausweis in Augenschein genommen zu haben, auch sei es nicht möglich, die Karten bezahlt zu hinterlegen.

Auf diese Art in die richtige Stimmung versetzt, begaben wir uns in den Vorführungsraum. Unsere Plätze waren – zu unserer unendlichen Freude – strategisch sehr günstig am äußersten Ende der Sitzreihe gelegen und wir waren erfüllt von Dankbarkeit, als wir feststellten, daß die Plätze augenscheinlich von außen nach innen belegt (und verkauft) werden, so daß wir – dank frühzeitiger Reservierung – auch noch unsere Nackenmuskeln trainieren konnten.

Ein wirklich erfreuliches Erlebnis war, daß pünktlich um 20:15 Uhr das Licht abgedunkelt wurde. Das Kinoerlebnis begann – wie nicht anders erwartet – mit Werbung. Es steigerte unsere Freude ungemein, daß wir bis kurz nach 21 Uhr mit unscharfer Werbung bombardiert wurden, deren Bild- und Tonqualität durchaus den Ansprüchen antiker und oft abgespielter Super-8 Filme gerecht werden konnte.

Freudig erregt ließen wir uns danach – auch durch wiederholte und durchaus penetrante Aufforderungen – nicht zum Kauf eines Eis bewegen und erwarteten nun gespannt den Hauptfilm. Aber wir konnten ja nicht ahnen, daß man uns das Kinoerlebnis noch großartiger gestallten wollte! Augenscheinlich war unsere Stimmung noch nicht gut genug, versuchte man sie doch durch eine großartige Lasershow zu verbessern. Ich persönlich war besonders von den fünf Laserblitzen beeindruckt, die mir direkt in die Augen geschossen wurden. Meine Begleiter zeigten sich ähnlich begeistert ob der interessanten Farbeffekte, die man sieht, nachdem man mit Laserlicht geblendet wurde. Auch die Qualität des Gebotenen hat uns alle in einen wahren Freudentaumel versetzt; gehört doch „Music was my first Love“ zu den absoluten Welthits und keiner der bei uns vorhandenen PCs wäre in der Lage eine Audiovisualisierung in ähnlich simpler und bescheidener Art darzustellen. Die Freudentaumel im Zuschauerraum nach Ende der Darbietung ließen uns vermuten, daß nicht nur wir mittlerweile in wirklich guter Kinostimmung waren.

Vor lauter Vorfreude schon etwas unruhig warteten wir nun gespannt auf das erneute Verlöschen des Lichts. Und wir wurden nicht enttäuscht. Nach nur 10 weiteren Minuten Werbung durften wir endlich den Hauptfilm genießen.

Es war sehr Weise von Ihnen, den Hauptfilm noch weiter zu verschieben, der künstliche Nebel, der für einige der ungewöhnlichsten (weil absolut revolutionär neuartigen) Effekte benutzt wurde, so nur die Bildqualität der Werbung beeinflußte und nach der Werbung sich schon fast aufgelöst hatte. Auch hätten wir das Husten der Zuschauer in den ersten Reihen gewiß als störend empfunden.

Nach der tollen Einstimmung und der großartigen Laserdarbietung hatten wir auch keinerlei Probleme damit, daß wir leider nicht in den Genuß einer THX-zertifizierten Soundanlage kamen. Schließlich muß ja ein unglaublich aufwendiges Lasersystem und ein antiker Super-8 Hochleistungsprojektor irgendwie bezahlt werden, da reichen die lumpigen 6 Euro einfach nicht aus.

Gegen 23:10 verließen wir Ihren Kinopalast und waren uns darüber einig, daß wir ein wirkliches Erlebnis hatten.

Wir möchten diese Gelegenheit nutzen um Ihnen für diese Erfahrung zu danken. Sie haben recht. Wir sind sehr dankbar dafür, daß Sie uns privatsendergewöhnte Konsumenten nicht dadurch verwirren, einen Film tatsächlich in echter Spieldauer ertragen zu müssen, sondern das Erlebnis sogar noch stärker strecken, als man es aus dem Fernsehen gewöhnt ist. Es ist nicht so, daß man ins Kino geht, um einen Film zu sehen. Es geht um das Kinoerlebnis. Und es wäre ja auch ungewöhnlich, nach dem Genuß eines Spielfilms noch bei einem Getränk – etwa in einer Gastwirtschaft – etwas beisammensitzen zu wollen. Es ist gut, daß man nach diesem Erlebnis direkt nach Hause geht um am nächsten Tag ausgeschlafen die vielen, vielen Produkte, die man auf so aufregend neue Art präsentiert bekommen hat, kaufen zu können.

Vielleicht sollten Sie sich überlegen, jeden Film durch mehrere Werbeblöcke zu unterbrechen damit wir – das Bezahlvolk – noch mehr Geld ausgeben können, noch mehr überteuertes Eis und Getränke kaufen können.

Wir sind uns sicher, daß wir das, was Sie als Kinoerlebnis bezeichnen, nicht noch einmal verkraften werden, die Freude ist immer noch zu groß. Seien Sie aber versichert, daß wir jedem unserer Bekannten unsere großen Gefühle (ist es nicht das, was Kino ausmacht?) schildern werden. Sicherlich werden diese ebenso empfinden wie wir. Herzlichen Dank für dieses Erlebnis. Danke daß wir Unmengen an Geld dadurch sparen werden, daß wir Ihre Kinos nie wieder besuchen werden.

Mit freundlichen Grüßen
</Zitat>


Ich möchte nicht verschweigen, daß wir eine Antwort von Cinestar Saarbrücken erhalten haben… auf die Antwort der Geschäftsleitung warten wir noch immer:
Hier ein Scan des Originals


<Zitat>
Sehr geehrter Herr Reif,

es tut mir sehr leid, dass Ihr Besuch im CineStar Saarbrücken soviel Anlass zum Ärger gegeben hat und dass Sie mit unserem Service nicht zufrieden waren.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es in unserem Haus gewisse Regeln geben muss, an die sich unsere Kassenmitarbeiter strikt zu halten haben. Eine dieser Regeln besagt, dass Studententickets nur nach Vorlage des Studentenausweises in Kombination mit dem Personalausweis ausgegeben werden dürfen. Dies geschieht zu unserer Absicherung und nicht ohne Grund.

Hinsichtlich der von Ihnen angesprochenen Werbelänge muss ich Ihnen leider sagen, dass aufgrund unserer Verpflichtung gegenüber den Filmverleihern und Werbepartnern eine Kürzung nur bedingt möglich ist. Gäbe es keine Kinowerbung, müssten wir unsere Preise erhöhen! Insbesondere ermäßigte Eintritte wie der von Ihnen genutzte Studentenpreis würde dann wegfallen, was sicher nicht in Ihrem Sinne wäre.

Ich hoffe mit den oben angesprochenen Punkten ein wenig auf Ihr Verständnis zu stoßen. Sollten Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne jederzeit an mich!

Herzlichen Grüße

CineStar der Filmpalast

Heike Weber

heikeweber@cinestar.de

PS: Übrigens unsere Lasershow ist beim überwiegenden Teil unserer Besucher sehr beliebt
</Zitat>


Da man bei Cinestar Saarbrücken augenscheinlich nicht in der Lage war, die Intention und die Kernpunkte unseres Briefes zu erfassen, benutzte ich die im Briefkopf angegebene E-Mail Adresse um folgende Stellungnahme abzugeben:


<Zitat>
Sehr geehrte Frau Weber,

Bezug nehmend auf Ihr Schreiben datiert auf den 21. 5. das mich heute erreicht hat, erscheint es mir notwendig einige weitere Anmerkungen zu machen. Da Ihnen augenscheinlich ein Großteil unserer Kritik entgangen ist, bemühe ich mich diesmal in klaren und einfach Sätzen zu formulieren.

Wir haben uns in der Tat über den „Service“ in Ihrem Haus beschwert. Es ging dabei ausdrücklich nicht um die Tatsache daß wir zum Vorzeigen unserer Personalausweise aufgefordert wurden, sondern um die Form dieser Forderung. Ich bin der – vielleicht altertümlichen – Ansicht, daß ich als Kunde ein Mindestmaß an Höflichkeit erwarten kann. Dazu gehört in diesem Fall, daß ich gesiezt werde und der jeweilige Mitarbeiter sich eines zumindest vorgeblich höflichen Tons befleißigt. Gerade die Mitarbeiter, die den ersten Kundenkontakt herstellen, müssen für einen guten ersten Eindruck sorgen. Genau das ist nicht passiert. Genau das war der Punkt der Kritik, der Ihnen entgangen zu sein scheint. Soweit wir das beurteilen können (schließlich haben wir lange genug in der Warteschlange gestanden) waren wir nicht die einzigen Gäste, denen das Benehmen Ihrer Mitarbeiter nicht gefallen hat.

Wir haben moniert, daß es nicht möglich war, einigen später eintreffenden Freunden die Karten zu Ihrem Studentenpreis zu sichern. Ich betone ausdrücklich zu sichern. Ein wenig Entgegenkommen wäre für Ihre Mitarbeiter ein leichtes gewesen. So wäre es – in meinen Augen – ein gangbarer Weg gewesen, die Karten zu dem günstigeren Preis zu Verkaufen und diese dann an der Kasse zu hinterlegen, um dann die Ausweise später in Augenschein nehmen zu können und daraufhin die bezahlten Tickets auszuhändigen. Das evtl. Risiko wäre minimal, da die Karten bereits bezahlt wurden und deshalb mit einiger Wahrscheinlichkeit abgeholt werden. Auch kann immer noch eine Nachzahlung erfolgen. Somit kann keine Rede davon sein, daß wir Ihre – notwendiger Weise durch Werbung finanzierten – Sondertarife in Anspruch genommen hätten, die Hälfte meiner Freunde mußte den vollen Preis entrichten.

Was unsere Kritik der Werbelänge angeht: Wenn es Ihnen nur mittels solch exzessiver Werbung möglich ist, Ihr Haus und Ihre Preise zu halten, machen Sie etwas falsch. Mein letzter Besuch in einem anderen Kino (THX-Sound, große Leinwand…) brachte eine wahre Offenbarung. Mir wurden einige Filmtrailer und ein wenig Werbung von insgesamt nicht einmal 20 Minuten Länge vor dem Hauptfilm gezeigt. Auf meine Frage, wie dies möglich sei und ob das arme Personal gezwungen würde ohne Bezahlung zu arbeiten, versicherte man mir, daß die Einnahmen durchaus ausreichten um das Kino zu erhalten und das Personal zu bezahlen. Komischerweise hat sich keiner der Anwesenden über zu hohe Preise beschwert.

Kernpunkt unserer Kritik war, daß mehr als eine Stunde verschwendete Zeit vor einem Film schlichtweg eine bodenlose Unverschämtheit ist. Wir erwarten kein werbefreies Kino, aber eine gewisse maßvolle Zurückhaltung. Es ist nun einmal so, daß man ins Kino geht, um einen Film zu sehen. Man bezahlt dafür einen Film zu sehen. Kostenlose Filme finden sich im Fernsehen (und illegal im Internet, aber es kommt uns ja gerade auf ein Kinoerlebnis an!). Beim Privatfernsehen erwartet man mittlerweile Werbeunterbrechungen. In einem Kino erwarten wir einen Hauptfilm. Vielleicht ist Ihnen ein weiterer Punkt im Zusammenhang mit diesem Fragenkomplex entgangen: Viele, viele Menschen haben nicht vor, einen ganzen Abend im Kino zu verbringen, sondern betrachten den Film als Auftakt des Abends. So, wie Sie die Sache angehen, ist eine weitere sinnvolle Planung nicht mehr möglich.

Auch scheint Ihnen entgangen zu sein, daß wir eine grundsätzliche Kritik an der Ausstattung Ihres Hauses hatten. Bei einem Preis von nahe 7€ erwarte ich ein perfektes Bild und einen dazugehörigen perfekten Ton. Ihre Werbung glänzte durch Abwesenheit von beiden Attributen und dem Hauptfilm fehlte das gewisse Etwas. Ich erlaube mir sarkastisch anzumerken, daß bei den Unsummen, die Sie Ihrer eigenen Aussage nach brauchen um Ihr Haus zu unterhalten und die Sie durch Werbung einnehmen müssen, es nur verständlich ist, daß kein Geld mehr für eine THX-zertifizierte Soundanlage übrig ist.

Was Ihr post scriptum angeht, so erscheint mir Ihre Definition von „überwiegendem Teil“ sehr fragwürdig. Eine spontane und nicht wirklich repräsentative Umfrage an den Fakultäten Informatik, Jura, Betriebswirtschaft und Psychologie hat ergeben, daß von jeweils etwa 30 Befragten niemand (in Zahlen: 0) von Ihrer Lasershow begeistert ist. Sämtliche ca. 120 Teilnehmer gaben an, daß Sie diese Vorstellung zumindest nicht vermissen würden. Weitere ungefähr 90 fühlten sich durch die Darbietung gestört. Ich gebe zu, daß ein derart kleiner Personenkreis nicht wirklich für eine statistische Erhebung ausreichend ist, frage aber, ob nicht trotzdem ein Trend zu erkennen ist.

Auch geben mir die lautstarken Unmutsäußerungen vor und nach der Lasershow anläßlich unseres Besuches Grund zu der Annahme, daß Ihr überwiegender Teil wohl gerade in einem anderen Kino gesessen haben muß. Ich habe schon meinen Verdacht geäußert, daß diese Lasershow eine Unterbrechung der Werbung ist, damit Sie noch etwas mehr Eis und Getränke verkaufen können. Genau diesen Eindruck hatten auch die meisten Befragten.

Außerdem haben Ihre großartigen Laser mich und meine Begleiter geblendet und der eingesetzte Nebel bei einigen anderen Kinobesuchern Husten ausgelöst. Mir erscheint das Geld für diese Einrichtung unter diesen Gesichtspunkten eine krasse Fehlinvestition zu sein.

Auf Ihr Angebot, Ihnen Anregung zukommen zu lassen, eingehend erlaube ich mir einige abschließende Worte: Bei allen meinen Bekannten stößt Ihre Werbepolitik und Ihre Lasershow auf Ablehnung. Ändern Sie das. Ihr Personal ist unhöflich. Ändern Sie das.

Wir wären durchaus bereit einen höheren Eintrittspreis zu entrichten, wenn das „Drumherum“ stimmt. In Ihrem Haus stimmt es nicht und Ihr an Ignoranz grenzender Brief hat an unserer Sichtweise nichts ändern können, sondern diese eher bestärkt. Wir – und jetzt auch viele unserer Freunde und Bekannten – werden weiterhin Ihr Haus meiden.

Sollten Sie versucht sein, auf dieses Schreiben wieder nur mit schriftlichem Schulterzucken zu antworten, sparen Sie sich die Mühe.
</Zitat>


Bis heute haben wir nichts mehr von Cinestar gehört und ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber unglücklich sein soll. Jeder meiner Besucher ist jetzt gewarnt und ich hoffe, daß man es uns gleichtut und ein solcherart schlechtes Angebot boykotiert.